Ich kann darüber hinaus meine Gedanken, meine Vorurteile, meine Vorstellungen zu einem Paket schnüren und über Bord werfen. Dann werde ich bei diesem Menschen Dinge wahrnehmen, die ich vorher noch nie bemerkt habe. Und dann macht es plötzlich keinen Unterschied mehr, ob ein Mensch eine Behinderung hat oder nicht. Das ist eine Kunst, die Kunst des Wahrnehmens. Nur eine Form der Wahrnehmung. Und diese wird auf Hohenfried gelernt, geschult und geübt.

Ohne Bewertung. Ohne Urteil. Ohne Vorstellungen. Wir sehen ihn als ein Wesen aus Leib, Seele und Geist. Diese Dreiheit macht ihn einmalig, erschafft eine ganz individuelle Lebenssymphonie. Seine Lebenssymphonie. Da spielt er die erste Geige, und zwar so, wie es ihm gefällt. Und was machen wir? Wir dürfen ihn begleiten, über jene Strecken führen, wo er Unterstützung braucht, ihm Verantwortung übergeben und von ihm lernen. Hohenfried ist Heimat. Heimat für Menschen, die Raum zur Entfaltung und Freiraum für Verantwortung suchen. Und finden.
Was sehen Sie, wenn Sie Heiner sehen?

Diese Frage ist ein Geschenk. Denn sie sagt vieles über Annas Individualität aus. Diese Frage ist aber auch eine Herausforderung. Sie fordert auf, uns in der Kunst der Wahrnehmung zu üben, in einen Zustand der Wachheit zu gehen, Denkmuster zu verwerfen und Strukturen aufzubrechen. Das ist nicht leicht. Aber für Anna ist es wichtig. Lebenswichtig. Hohenfried ist ein Ort zur Pflege der Aufmerksamkeit, zur Schulung der Sinne, zur Erweckung des Willens. Hohenfried ist Heimat.
Was sehen Sie, wenn Sie Anna sehen?

Es ist nicht die Behinderung, die Pauline ausmacht. Es ist der Mensch, es ist Pauline. „Wie ist Pauline geworden?“, das beschäftigt uns nur zum Teil. Vielmehr interessiert uns: „Wer ist sie ihren Möglichkeiten nach? Welche Kraftquellen enthält ihr Schicksal und welchen Einschränkungen unterliegt es?“ Die Antworten darauf erschaffen eine Perspektive, die in die Zukunft weist. In eine Zukunft für Pauline. Entwicklung, Wachstum und Veränderung geschehen ständig in Hohenfried. Sie machen das Wesen unserer Arbeit aus.
Was sehen Sie, wenn Sie Pauline sehen?

Wir sehen zu den Mondknoten, die alle 18 Jahre eine markante Spur in der Biografie eines Menschen hinterlassen. Wir begutachten die Jahrsiebte und achten auf Entwicklung und Entfaltung von Leib, Seele und Geist. Jedes noch so kleine Detail ist uns wichtig. Wir nutzen die zwölf Sinne der Wahrnehmung, um Iftikahr zu verstehen. Dann fügen wir alles zu einem Bild zusammen. Einem Bild, das Iftikahr entspricht. Und nur ihm. Entwicklung bedeutet Veränderung. Und manchmal auch Tumult. Das hat alles auf Hohenfried Platz.
Was sehen Sie, wenn Sie Iftikahr sehen?

Wie leicht sich doch eigene Vorstellungen, wie sein Leben auszusehen hat, in unserem Kopf breit machen. Gut, dass wir ein ganzes Instru-mentarium an Wahrnehmungen entwickelt haben, um uns und unser Wundern zum Schweigen zu bringen. Erst dann haben wir die Möglichkeit, uns Soner mit Hingabe zu nähern. Erst dann gelingt es uns, für Soner ein Spiegel zu sein, in dem er sich erkennen kann. Erst dann können wir gemeinsam mit ihm seinen Lebensfaden aufgreifen, damit er sein Leben weiterweben kann. Aufmerksamkeit, Interesse, Empathie als Haltung. Und die nimmt Hohenfried mit Liebe ein.
Was sehen Sie, wenn Sie Soner sehen?
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